kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die (kostenlose) Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.

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Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :

Wirr-Wahr

Also eines bin ich nicht! Abergläubisch. Auch nicht oder-, gar zwischengläubig. Doch dieses Erlebnis hat mich zu einer anderen Meinung geführt! Du kannst es mir glauben oder nicht. Jedenfalls führte mich der Zwischenfall auf diese Denkensbahn, die mehr einer Achterbahn gleicht als irgendeiner Bergbahn. Eine entsetzlich kurvige Funbahn mit höchsten Geschwindigkeiten, die uns allen Schreie entlockt. Schreie welcher Art auch immer. Die Gravitationskräfte sind dabei kaum auszuhalten. Nicht mit einfachen physikalischen Argumenten zu erklären, gar zu bestimmen. Nachdem der Druck für mich und mein Zukunftswissen immer heftiger wird, ich diesen neuen Trend nicht erklären kann, suche ich bereits einige Zeit nach Abhilfe. Wie auch immer! Einfach Abhilfe. Ich könnte es auch Erlösung nennen. Suche deshalb bereits in jeder meiner freien, so seltenen Minuten im Netz nach Hilfestellungen.

Fündig wurde ich nun gestern Nacht kurz vor Mitternacht. Neben mir entrang sich auch meinem Laptop dadurch ein lautstarker Seufzer der Erleichterung. Endlich erschien durch den Wegweiser ein hellrotes Morgenrot, das die in mir herrschende Dämmerung zu einem endgültigen synapsigen Kurzschluss führen wird. Davon bin ich überzeugt. Mir wird geraten, ich solle umgehend eine Wahrsageranstalt besuchen, eine solche würde auch in unserer Stadt bestehen. Diese Institution werde mir unmittelbar, jedoch nicht mittellos (sie sei nicht zu verwechseln mit Besserungsanstalten), effektive Unter- und nicht Oberstützung, auch nicht nur für zwischendurch, sondern für immer, gewähren können.

So begebe ich mich auf die städtische Durchforstung, ohne jede Waldesruh. Finde in der Suchfunktion der neuen KI-Applikationen keine Antwort. Beginne also mit einer analogen Suche. Begebe mich auf Schusters Rappen durch die Strassen meines Hauptortes. Durchkämme Strasse um Strasse, Weg um Weg, Steg um Steg, Uferwege, Trampelpfade, Einbahnstrassen und auch Sackgassen, nachdem ich mich dafür in Sack und Asche gekleidet habe, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen und nicht aufzufallen, meine Absicht niemandem offen-, geschweige denn zuzulegen. Und siehe da, nach mehreren Wochen nicht einzig des Durchkämmens, sondern des Umpflügens der Umgebung meines Wohnsitzes mittels eines angemieteten Traxes, entdecke ich ein schummriges Haus, an dem ein Schild darauf hinweist, dass die Öffnungszeiten der offiziellen städtischen Wahrsagungsberatungsstelle täglich, jedoch nur an Fest- und Feiertagen geöffnet sei. So packe ich aus meiner Seitentasche die in weiser Voraussicht sorgsam gepackte, auf kleinsten Raum zusammengefaltete Zelteinheit in Tarnfarben aus. So kann mich niemand entdecken und mir den Platz in der von Leere gähnenden Warteschlange die aussichtsreiche Position streitig machen. Stecke die Zeltstangen mit ihren roten Zündköpfchen — es sind mit Antiflamm bestrichene Streichhölzer in 1A schwedischer Qualität —  in die vorgesehenen Miniöffnungen und schlüpfe in dieses Kleinst-Tinyhaus, um den nächsten Fest- oder Feiertag abzuwarten.

Als dieser dann endlich am Horizont erscheint, pule ich mich, als sei ich eine soeben neu geschlüpfte Wespe, aus dem Kokon, staune über meine Kleinheit, die mir aber, noch viel mehr als die Tarnfarben, volle Tarnung bietet, sodass ich bestimmt nicht abgewiesen werden kann. Garantiert eine Antwort auf meine Frage bekommen werde. Trete durch das Hauptportal des Amtes ein. Schreite zum Empfangsschalter. Werde der Kleinheit wegen nicht wahrgenommen. Stelle meine Frage trotz allem in den halligen Raum, sodass diese mir alsdann selbst hundertfach als Echo um die gespitzten Ohren fliegt, als sei es ein soeben ausgeschwärmter Hornissenschwarm:

„WAS NUR IST MIT UNSERER WELT LOS, WAAS ISST NUUUR MITT UNNSSERER WEELT GESCHEEHHN?“

Die Antwort die mich nicht beruhigen kann, kommt wie aus einer neu aus dem Wehretat erworbenen gepanzerten Haubitzenkanone in Millisekunden dahergeschossen:

„WIRR-WAHR! WIRRR-WAAAHR, WIRRR-WAAAHR, LEITER WAR ...! ...! ...! ...!"  



Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

P U H L E

Puhle
Mich aus
Der Suhle
Darin wühlte
Mein eigen Ich.

Wühlte im tiefen Pfuhle
Der wahren Wahrheit
Da diese seicht.

Dargereicht
Auf silbern Tafel
Goldverziert verirrt.




Die Wochengeschichte und/oder der Dreisatzroman können stets mit Quellenangabe (https://www.francois-loeb.com//kurzgeschichten-kostenlos-lesen/geschichten-erhalten/) auf Ihrer Homepage Ihrem Blog, oder der Vereinszeitschrift kostenlos aufgespielt werden!
Ich freue mich darüber!!


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